[Rezension] William Paul Young – Der Weg



Verlag: Allegria
Seitenzahl: 304 Seiten
ISBN-13: 978-3548285979
Erscheinungstermin (Printausgabe): 06. Februar 2015
Originaltitel: Crossroads

Ich muss gestehen, dass ich gar nicht genau weiß, wie der Titel in mein Regal gewandert ist. Auf einmal war es da. Das ist so ein typischer Moment, in dem ich ehrfurchtsvoll die erste Seite aufschlage und dem Buch zuraune: „Es war wohl Schicksal, dass wir uns begegnen.“ ;)

INHALT:

Tony Spencer ist ein sehr erfolgreicher und nicht minder skrupelloser Geschäftsmann. Und er ist allein. Wenn sich sein Leben nicht gerade um seine Arbeit dreht, verbringt er die Abende mit in Gesellschaft von zu viel Alkohol und paranoiden Gedanken.
Bis er durch eine Gehirnverletzung ins Koma fällt. Als Tony wieder zu sich kommt, findet er sich in einer Art Zwischenwelt wieder. Dort trifft er merkwürdige Gestalten, die sich beispielsweise als Jesus oder der Heilige Geist ausgeben. Doch Tony wäre nicht Tony, wenn er an so einen Humbug glauben würde. Sicher sind das nur die letzten neuronalen Blitze seines sterbenden Gehirns. Doch warum ist er hier und nicht tot? Und warum spricht dieser Jesus-Typ ausgerechnet die Sachen an, die Tony eigentlich viel lieber vergessen würde?
Schnell wird klar, dass sich Tony am Anfang eines Weges befindet, der ihn tief in sein verletztes Herz hineinführen wird - wenn er sich dazu entschließt, ihn zu gehen.

REZENSION:

Charaktere
Die Geschichte wird aus Tonys Sicht erzählt. Um ihn dreht sich die Geschichte. Durch die Zwischenwelt erfährt der Leser viel über Tonys verletzliche innere Seite, seine Vergangenheit, Ängste und Schwächen.
Anfangs fand ich den Protagonisten aufgrund seines Charakters fürchterlich. Egoistisch, kaltherzig, das volle Programm der menschlichen Abgründe eben. Doch im Laufe der Erzählung kommt der Mensch hinter dieser hässlichen Fassade zum Vorschein und tja, ich konnte nicht anders, ich musste ihm einfach eine zweite Chance geben. Am Ende des Buches sind der neue Tony und ich noch Freunde geworden :)
Neben der Zwischenwelt spielt die Handlung auch in unserer Zeit und Young versteht es wirklich seinen Nebenfiguren Leben einzuhauchen. Der Autor hat sehr sympathische und nachvollziehbare Charaktere geschaffen. Ich glaube, ich habe mich schon lange nicht mehr eine Figur so lebendig vor Augen gehabt, wie den autistischen Jungen Cabby, den man am Anfang der Geschichte kennenlernt. Hier gebe ich wirklich – verdient – die volle Charakterpunktzahl!

Schreibstil
Schon aufgrund des Themas ist das Buch nicht leicht zu lesen. Also keine nebenher-/ich-brauche-was-um-besser-einzuschlafen-Lektüre. Vor allem bei den Gesprächen, die Tony mit Jesus und dem Heiligen Geist führt, muss man ganz bei der Sache bleiben. Aber es lohnt sich, die Aussagen haben mich teilweise sehr berührt und nachdenklich gemacht. Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr so viele Stellen in einem Buch angestrichen, wie in diesem hier.
Der Schreibstil ist gut, aber nichts Besonderes und aufgrund des Inhalts manchmal etwas schwer verdaulich.

Handlung
Spannend und sehr geistreich. Tony bewegt sich zwischen der Zwischenwelt und unserer Welt hin und her und mich haben beide Seiten überzeugt. Vor allem die Begegnungen mit Jesus und Tonys alten, schlechten Gewohnheiten in der Zwischenwelt haben es mir angetan. Ich hab ständig zwischen dem Tränen- und Gänsehaut-Modus gewechselt ;)

Cover
Fast schon episch, wie der Mann dort steht, oder? Würde mich jetzt zwar im Vorbeigehen nicht zum Stehenbleiben bewegen, weil mich persönlich eher dynamische, fantasievolle Motive oder Gesichter ansprechen, aber in diesem Fall passt das Cover perfekt zum Inhalt.

Besonderheit
Bei diesem Buch handelt es sich um einen christlichen Roman, der es versteht, den Leser nicht das Gefühl zu geben, in einer Sonntagsschule missioniert zu werden. Der Leser darf entscheiden, was er aus dem Inhalt dieser Geschichte macht.

FAZIT:

Mich hat der Roman sehr berührt und ich bin positiv überrascht. Obwohl ich gläubig bin, habe ich bisher keinen Zugang zu christlicher Lektüre gefunden, aber Young hat mich eines Besseren belehrt. Man kann Glauben sehr wohl spannend in fiktionale Geschichten einbauen und dem Leser dadurch vielleicht die ein oder andere Fragen beantworten. Oder aber auch stellen.


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