[Rezension] Lars Simon - Elchscheiße

INHALT (VOM VERLAG):

„Was machst du denn hier?“, fragte Tanja.
„Ich habe gekündigt, Häschen.“
Es gab Riesenkrach. Ist ja auch nicht leicht für eine Frau, wenn sie ihrem Ur-Mann wiederbegegnet. Ich hingegen wirkte auf mich ruhig und selbstbewusst. Echte Männer sind so.

Freundin weg, Job weg, Therapeut weg - doch Torsten Brettschneider (35) lässt sich nicht unterkriegen. Er kauft sich einen gebrauchten VW-Bus, tauft ihn Lasse und fährt mit ihm gen Schweden, wo er einen Bauernhof geerbt hat. Die Postkartenidylle lässt jedoch auf sich warten … Älgskit! Was für eine Elchscheiße! Ob Torsten aus der Schwedennummer je wieder rauskommt?

REZENSION:

Lars Simons Buch „Elchscheiße“ war ein typischer Affektkauf. Die Bahn kam nicht, ein kurzer Abstecher in die Bahnhofsbuchhandlung und plötzlich stand ich an der Kasse: „Das macht dann neun Euro fünfundneunzig“.

Bereut habe ich es keine Seite lang. Die Geschichte hat mir viele lustige Lesestunden beschert. Und den ein oder anderen schrägen Blick in der Bahn (Berufstätige lachen nicht auf dem Weg zur Arbeit – auch nicht auf dem Weg nach Hause. Überhaupt lachen Berufstätige auffallend wenig).

Die Geschichte beginnt recht unspektakulär, nimmt aber schnell Fahrt auf und spätestens ab dem Moment, an dem der deutsche Schützenpanzerwagen (kein Witz, in der Geschichte kommt tatsächlich ein Panzer vor!) zum Einsatz kommt, eskaliert die Situation dann völlig. Ab da leidet, meiner Meinung nach, leider auch ein wenig der humorvolle Ton der Geschichte. Zu Lars Simons Verteidigung muss ich aber auch dazu sagen, dass ich nicht zu den Kawumm!-Liebhabern gehöre. Der Höhepunkt einer Handlung muss für mich nicht immer gezwungenermaßen ein Actionfeuerwerk sein. Genau das ist aber in „Elchscheiße“ der Fall. Am Ende macht es wirklich Kawumm, was maßgeblich dem Panzer zu verdanken ist. Für meinen Geschmack hat der Autor es am Ende ein wenig zu gut gemeint – was aber der guten Laune keinen Abbruch tut. Die Lachmuskeln kommen bis zum Schluss auf ihre Kosten.

Protagonist ist der Deutsche Tomas Brettschneider. Die Geschichte wird mit einer kräftigen Brise Zynismus und Humor aus seiner Perspektive erzählt und ist durch den einfachen Schreibstil schnell gelesen.

Obwohl Lars Simon seinen Figuren alle erdenklichen Klischeestempel aufdrückt, hat mich seine lustige Erzählweise von Anfang an überzeugt und ich habe alle Beteiligten in mein Herz geschlossen: Die nörgelnden und zugedröhnten Deutschen, die eigenwilligen Schweden – ja sogar den stets bewaffneten und paranoiden norwegischen Veteran.

Zusammengefasst ist das Buch etwas für Menschen, die Schweden lieben (so wie ich), gerne lachen (so wie ich) und sich nicht fürchten, in einem ruhigen Bahnabteil vergnügt zu kichern (so wie ich).

„Elchscheiße“ bekommt somit verdiente fünf Spiralen!

ZITAT:

Es muhte heiser, ich sah zur Seite und erschrak. Eine uralte, einäugige Kuh glotzte mich aggressiv über einen Weidezaun hinweg an. […]
Eine Wolke schob sich vor die Sonne.
Es wurde schlagartig kalt.
Es muhte wieder. Nur die Kuh. Ein Auge. Böse.
Es war nicht schön hier. Mein Magen fühlte sich flau an.
Wie hatten es meine Eltern in diesem Drecksnest nur ausgehalten? Und Tante Lillemor? Sollte sich herausstellen, dass sie keines natürlichen Todes gestorben war, es hätte mich nicht verwundert.
Umkehren konnte ich nicht mehr, und ich hatte es doch nicht anders gewollt.
Ich fuhr langsam weiter.


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