[Rezension] William Paul Young – Der Weg



Verlag: Allegria
Seitenzahl: 304 Seiten
ISBN-13: 978-3548285979
Erscheinungstermin (Printausgabe): 06. Februar 2015
Originaltitel: Crossroads

Ich muss gestehen, dass ich gar nicht genau weiß, wie der Titel in mein Regal gewandert ist. Auf einmal war es da. Das ist so ein typischer Moment, in dem ich ehrfurchtsvoll die erste Seite aufschlage und dem Buch zuraune: „Es war wohl Schicksal, dass wir uns begegnen.“ ;)

INHALT:

Tony Spencer ist ein sehr erfolgreicher und nicht minder skrupelloser Geschäftsmann. Und er ist allein. Wenn sich sein Leben nicht gerade um seine Arbeit dreht, verbringt er die Abende mit in Gesellschaft von zu viel Alkohol und paranoiden Gedanken.
Bis er durch eine Gehirnverletzung ins Koma fällt. Als Tony wieder zu sich kommt, findet er sich in einer Art Zwischenwelt wieder. Dort trifft er merkwürdige Gestalten, die sich beispielsweise als Jesus oder der Heilige Geist ausgeben. Doch Tony wäre nicht Tony, wenn er an so einen Humbug glauben würde. Sicher sind das nur die letzten neuronalen Blitze seines sterbenden Gehirns. Doch warum ist er hier und nicht tot? Und warum spricht dieser Jesus-Typ ausgerechnet die Sachen an, die Tony eigentlich viel lieber vergessen würde?
Schnell wird klar, dass sich Tony am Anfang eines Weges befindet, der ihn tief in sein verletztes Herz hineinführen wird - wenn er sich dazu entschließt, ihn zu gehen.

REZENSION:

Charaktere
Die Geschichte wird aus Tonys Sicht erzählt. Um ihn dreht sich die Geschichte. Durch die Zwischenwelt erfährt der Leser viel über Tonys verletzliche innere Seite, seine Vergangenheit, Ängste und Schwächen.
Anfangs fand ich den Protagonisten aufgrund seines Charakters fürchterlich. Egoistisch, kaltherzig, das volle Programm der menschlichen Abgründe eben. Doch im Laufe der Erzählung kommt der Mensch hinter dieser hässlichen Fassade zum Vorschein und tja, ich konnte nicht anders, ich musste ihm einfach eine zweite Chance geben. Am Ende des Buches sind der neue Tony und ich noch Freunde geworden :)
Neben der Zwischenwelt spielt die Handlung auch in unserer Zeit und Young versteht es wirklich seinen Nebenfiguren Leben einzuhauchen. Der Autor hat sehr sympathische und nachvollziehbare Charaktere geschaffen. Ich glaube, ich habe mich schon lange nicht mehr eine Figur so lebendig vor Augen gehabt, wie den autistischen Jungen Cabby, den man am Anfang der Geschichte kennenlernt. Hier gebe ich wirklich – verdient – die volle Charakterpunktzahl!

Schreibstil
Schon aufgrund des Themas ist das Buch nicht leicht zu lesen. Also keine nebenher-/ich-brauche-was-um-besser-einzuschlafen-Lektüre. Vor allem bei den Gesprächen, die Tony mit Jesus und dem Heiligen Geist führt, muss man ganz bei der Sache bleiben. Aber es lohnt sich, die Aussagen haben mich teilweise sehr berührt und nachdenklich gemacht. Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr so viele Stellen in einem Buch angestrichen, wie in diesem hier.
Der Schreibstil ist gut, aber nichts Besonderes und aufgrund des Inhalts manchmal etwas schwer verdaulich.

Handlung
Spannend und sehr geistreich. Tony bewegt sich zwischen der Zwischenwelt und unserer Welt hin und her und mich haben beide Seiten überzeugt. Vor allem die Begegnungen mit Jesus und Tonys alten, schlechten Gewohnheiten in der Zwischenwelt haben es mir angetan. Ich hab ständig zwischen dem Tränen- und Gänsehaut-Modus gewechselt ;)

Cover
Fast schon episch, wie der Mann dort steht, oder? Würde mich jetzt zwar im Vorbeigehen nicht zum Stehenbleiben bewegen, weil mich persönlich eher dynamische, fantasievolle Motive oder Gesichter ansprechen, aber in diesem Fall passt das Cover perfekt zum Inhalt.

Besonderheit
Bei diesem Buch handelt es sich um einen christlichen Roman, der es versteht, den Leser nicht das Gefühl zu geben, in einer Sonntagsschule missioniert zu werden. Der Leser darf entscheiden, was er aus dem Inhalt dieser Geschichte macht.

FAZIT:

Mich hat der Roman sehr berührt und ich bin positiv überrascht. Obwohl ich gläubig bin, habe ich bisher keinen Zugang zu christlicher Lektüre gefunden, aber Young hat mich eines Besseren belehrt. Man kann Glauben sehr wohl spannend in fiktionale Geschichten einbauen und dem Leser dadurch vielleicht die ein oder andere Fragen beantworten. Oder aber auch stellen.


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[Rezension] Kristan Higgins - Meine Brüder, die Liebe und ich



Verlag: MIRA Taschenbuch
Seitenzahl: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3899418750
Erscheinungstermin (Printausgabe): August 2011
Originaltitel: Just one of the Guys

Mir hatte Kristan Higgins Fang des Tages so gut gefallen und passend zu den warmen Temperaturen hatte ich Lust auf eine leichte romantische Lektüre – bitte keine Herausforderungen bei dem Wetter, dehydrieren ist schon anstrengend genug.
So kam eins zum andern und ehe ich es mich versah hatte ich einen weiteren Band der Autorin in der Hand ;)


INHALT:

Chastity O`Neill, Schwester von vier Brüdern und Teil des großen O`Neill Clans, ist alles andere als ein zerbrechliches Modepüppchen. Sie ist stattliche 1,81 m, sportlich muskulös, 31 Jahre alt und nun ja, einfach eine von den Jungs. Eine, mit der man ein Yankee Spiel angucken, ein Bier trinken oder den nächsten Marathon laufen kann.
Doch Chastity wünscht sich mehr, sie will das, was ihre Brüder haben: Einen liebevollen Partner, eine Familie, Kinder – und Travor Meade. Seit ihrer Jugend ist sie über beide Ohren in den Mann verliebt, der seit Kindheit an ein Teil der Familie ist, der wie ein Bruder für sie ist. Für den sie wahrscheinlich auch nur eine von den Jungs ist.

REZENSION:

Charaktere
Die Geschichte wird aus Chasitys Sicht erzählt. Dank ihrer großen Familie wimmelt das Buch zwar nur so vor Personen, aber die meisten anderen Familienmitglieder werden oft nur angeschnitten und nicht wirklich ausgeleuchtet. Es gibt nur eine Hand voll Figuren, die für die Geschichte relevant sind und die der Leser über Chastity besser kennen lernt.
Die Protagonistin kommt dadurch noch besser zur Geltung. Sie ist eine Mischung aus der Durchschnittstitelheldin, die sich verzweifelt Mann und Kinder wünscht, glücklicherweise aber auch ihre eher frauenuntypischen Eigenarten hat. Zum Glück. Ohne ihre Macken hätte ich Chastity viel zu flach und austauschbar gefunden.

Schreibstil
Das Buch ist super schnell und gut zu lesen. Higgins hat einen wunderbaren humorvollen Schreibstil, der einfach nur Spaß macht.

Handlung
Die Handlung dreht sich leider ein wenig im Kreis. Problematik ist wieder die Suche der Titelheldin nach Mann und Kinder und der Loveinterest, der doch nicht so recht will. In der Geschichte werden zwar immer wieder auch tiefgründigere Gedanken und Themen angekratzt, aber das wars dann auch. Aber das stört im Grunde nicht, wenn man einen romantischen, witzigen Roman liest, erwartet man schließlich das, was einen Kristan Higgins gibt. Eine wilde Verfolgungsjagd oder schmerzhafte Aufarbeitung von Kindheitstraumata würde den Leser sicher etwas irritieren – deshalb, alles gut.
Einzig die Tatsache, dass sich die Eckpfeiler der Geschichte nur so gering von Fang des Tages unterscheiden hat mich gestört. Ich finde es immer schade, wenn man ein Buch eines Autors liest und weiß, ok, jetzt habe ich alle gelesen.
Und das Ende war mir dann doch ein Tick zu kitschig. Aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Cover
Fröhlich, knallige Farbe, gute Laune – passt. Das Cover ist zwar schlicht gestaltet, doch es spiegelt ganz gut das Lesegefühl und die Geschichte wieder.

Besonderheit
Die Herr der Ringe Witze. Oh Mann, was habe ich gelacht. Ich bin selbst großer Fan der Bücher und Filme und fand Chastitys Schwärmerei herrlich.

FAZIT:

Ein romantischer Roman mit einer teils ungewöhnlichen, teils klischeehaften Heldin. Obwohl die Story nichts Ungewöhnliches ist und recht vorhersehbar verläuft, macht es viel Spaß das Buch zu lesen. Es macht gute Laune und bei Chastitys Sportlichkeit regt es einen an, mal wieder die Laufschuhe anzuziehen.
Empfehlenswert für jeden Romantiker, der nichts gegen einen guten Schuss Humor hat. Und gegen Aragorn aus Herr der Ringe. Gegen den sollte man auch nichts haben ;)


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[Rezension] Lois McMaster Bujold - Chalions Fluch

Diese Buchrezension habe ich ein wenig anders gestaltet - frei nach dem Motto "Pimp my Rezi" :D In Zukunft will ich die Bewertungen nämlich übersichtlicher schreiben, so dass ihr gleich seht, was mir besonders gut oder nicht so gut gefallen hat. Außerdem habe ich so die Möglichkeit noch mehr Spiralen einzubauen, muhaha.
Ich hoffe, euch gefällts. Viel Spaß beim Lesen :)



Verlag: Bastei-Lübbe
Seitenzahl: 749 Seiten
ISBN-13: 978-3404204861
Erscheinungstermin (Printausgabe): April 2004
Originaltitel: Curse of Chalion

Und wieder war es soweit: Die Tür sprang auf, ein strahlendes Gesicht mit aufgeregt funkelnden Augen schaut mich an und aus dem irre – nein, nicht irre – aus dem freudig lächelnden Mund schießt folgender Satz: „Hey, kennst du dieses Buch schon?“ und ehe ich antworten konnte, hatte ich Chalions Fluch in der Hand.

INHALT:

Chalions Fluch ist das zweite Fantasy-Buch der Autorin Lois McMaster Bujold, die sich normalerweise eher im Genre Science-Fiction bewegt.
Die Geschichte handelt von Lupe de Cazaril, einem ehemaligen Rudersklaven der Roknari, der sich nichts sehnlicher als einen ruhigen Lebensabend (in meiner ersten Version habe ich hier doch tatsächlich Leseabend geschrieben :D) wünscht. Doch kaum in seiner Heimat Chalion angekommen, wird er zum Lehrer der Prinzessin Iselle berufen und gerät immer tiefer in die Intrigen und Machtspiele des Adels, die sich um Chalions Thronfolge spinnen.
Dabei hört Cazaril immer wieder von dem grausamen Fluch, der angeblich auf der Königsfamilie lastet. Der ehemalige Soldat glaubt aber nicht an solche Märchen. Das sind nur Hirngespinste … oder etwa nicht?

REZENSION:

Charaktere
Lupe de Cazaril, der Protagonist dieser Geschichte, ist kein typischer Held. Er ist ein bescheidener und ruhiger Mann, der oft mit den Dämonen seiner Vergangenheit kämpft. Das hat mir sehr gut gefallen und ihn für mich sehr lebendig und glaubwürdig gemacht. Ich konnte mich gut in ihn hineinfühlen und habe schon nach wenigen Seiten mit ihm gelitten oder gefiebert.
Obwohl sich die Geschichte hauptsächlich um den ehemaligen Soldaten dreht, kommen die anderen Charaktere nie zu kurz. Jede Figur hat ihre eigenen Stärken und Schwächen und muss Hindernisse meistern, die sich letztendlich alle zu einer großen Gesamthandlung zusammenfügen.

Schreibstil
Können Sätze schön sein? Ja, das können sie. Das beweist Lois McMaster Bujold und ihr wundervolles Gespür für Sprache. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und war begeistert von ihrem beeindruckenden Wortschatz.
Obwohl es flüssig geschrieben ist, musste ich mich beim Lesen sehr konzentrieren. Ich weiß allerdings nicht, ob es an dem teils mittelalterlichen Wörtern oder meiner urlaubsreifen Verfassung lag ;)

Handlung
Die Handlung kommt leider erst ab dem zweiten Drittel richtig Fahrt - dafür hält die Spannung dann aber fast durchgehend bis zum Ende der Geschichte an. Anfangs erfährt man viel von Chalion, den Menschen und den verschiedenen Religionen. Hier hätte die Autorin für meinen Geschmack ein wenig abkürzen können. Sonst bleibt die fast schon epische Geschichte immer nachvollziehbar und ideenreich.

Cover
Darüber möchte ich eigentlich gar nicht sprechen … Sehr schlimm. Hier vergebe ich auch nur aus dem Grund drei (und nicht null) Spiralen, da das Buch immerhin schon 14 Jahre alt ist. Ich rede mir einfach ein, dass man 2001 solche Cover nicht als Verbrechen, sondern als verkaufsfördernd empfand.

Besonderheit
In Chalions Fluch erschafft die Autorin eine riesige Welt, die sehr an das Mittelalter erinnert. Dabei schildert sie die Eigenarten und Geschichten der verschiedenen Völker und Königshäuser, der Religionen und Traditionen so authentisch und detailliert, dass man beim Lesen zeitweise vergisst, dass man einen Fantasy- und keinen historischen Roman in den Händen hält.

Laut Wikipedia basiert die Geschichte vage auf dem Leben von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón, die 1474 gemeinsam den kastilischen Thron in Spanien bestiegen.
Viele der Buchfiguren haben somit historische Vorbilder: Iselles Mutter Ista basiert auf Isabella von Portugal, Iselles Vater Ias auf John II. von Kastilien, Iselles Halbbruder Orico steht für Henry IV. von Kastilien und ihr Bruder Teidez für Alfonso von Asturien.
Auch geografisch hat sich die Autorin von der historischen Vergangenheit inspirieren lassen und die Karte der Iberischen Halbinsel des 15. Jahrhunderts als Vorlage für ihren Roman gewählt – lediglich spiegelverkehrt: Chalion ist Kastilien, Ibra Aragón und Valencia, das südliche Ibra ist Katalonien, Brajar Portugal und das Fürstentum der Roknari steht wohl für Al-Andalus, Darthaca und Frankreich.

FAZIT:

Ein fantastischer Roman mit einem liebenswerten Held, der eigentlich gar keiner seiner möchte und doch nie aufgibt. Die Autorin entführt durch ihren tollen Schreibstil in Chalions wundervolle Welt, aus der man irgendwann gar nicht mehr auftauchen möchte.
Absolut empfehlens- und lesenswert! Band 2, Souls of Paladin, liegt schon auf meinem Schreibtisch.

Und wieder einmal danke ich dem Schicksal, das mir diesen begeisterten Menschen mit seinem Lesetipp an die Tür geschickt hat ;)


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[Rezension] Kristan Higgins - Fang des Tages

INHALT (VOM VERLAG):
Männer gibt`s wie Sand am Meer - nur die Richtigen scheinen um Maggie einen großen Bogen zu machen. Bis der attraktive Hummerfischer Matthew in ihr Leben tritt … Ein Roman in bester Bridget Jones-Tradition von Kristan Higgins!

Maggie ist dreißig, chaotisch und Single. In einer typischen Ostküsten-Kleinstadt wahrlich kein Vergnügen! Das letzte Mal, dass sie den Mann ihrer Träume gefunden zu haben glaubte, hatte sie sich ausgerechnet in den neuen Priester von Gideon’s Cove verguckt - und die halbe Stadt mit ihrer Schwärmerei amüsiert. Die Lage ist ernst und Maggie allmählich verzweifelt. Bis ihr suchender Single-Blick auf Matthew Malone fällt. Augen so blau wie das Meer - der Fang des Tages? Oder angelt Maggie wieder einmal treffsicher nach dem falschen Traumprinzen?

REZENSION:
"Hey Tina! Kennst du das Buch hier?"
Oh, oh.
"Die Autorin heißt Higgins. Nein? Die ist toll! Wirklich. Im Ernst. Du musst das eine von ihr mal lesen. Heißt "Fang des Tages". Doch. Du MUSST das einfach lesen!"
Spätestens dann bekomme ich Panik. Lieblingsbücher anderer Menschen zu lesen, ist immer eine sehr heikle Angelegenheit. Nach ein paar Tagen kommt dann nämlich prompt die Frage: "Und? Hast du es schon gelesen? Wie fandest du es? Gut, gell?"
Solche Situationen sind gefährlich und entscheiden das zukünftige Mitaneinder nicht weniger als der Satz: "Unser Kind ist schon ziemlich hübsch/gut erzogen/intelligent/besonders, oder? Findest du nicht?"
Sehr gefährlich.

Und doch bin ich voll in die Falle getappt und ehe ich es mich versah, hatte ich Kristan Higgins "Fang des Tages" ausgeliehen – zum Glück! Denn dieses Mal kann ich mit einem ehrlichen und lautem Ja dem Ausleiher bestätigen, dass das Buch klasse war. Gratulation zum guten Geschmack sozusagen.

Inhaltlich findet die Autorin genau die richtige Balance zwischen Romantik und Witz. Sie schafft, was viele nicht können: Obwohl die Romantik nie zu kurz kommt, triftet sie nie ins Schnulzige ab. Klar, die Geschichte dreht sich um Maggie, das gute Herz eines kleinen Fischerdorfes, und ihrer Suche nach Mr. Right, doch Maggie ist nicht dieses herausgeputzte Dummerchen, das sich alleine nicht zu helfen weiß. Das hat mir gefallen. Trotz der großen Portion Romantik bleibt die Geschichte immer glaubwürdig.
Higgins erzählt die Geschichte aus Maggies Perspektive und dank dem treffsicheren Gespür der Titelheldin für Fettnäpfen kommt das Lachen beim Lesen nie zu kurz.
Zu meiner Überraschung muss ich hier auch löblich erwähnen, dass in der Geschichte teilweise auch nachdenkliche und traurige Töne angeschlagen werden. Der Übergang ist so fließend und gekonnt, dass es die Geschichte perfekt abrundet.

Die Handlung ist geradlinig und überschaubar, schließlich spielt die Geschichte hauptsächlich in Gideon`s Cove, einem 1407 Seelen-Dorf. Die Hauptcharaktere kann man an einer Hand abzählen. Doch jeder hat seine ganz persönliche Note.

"Fang des Tages" ist schnell gelesen, was zum einen an der netten Geschichte und zum anderen an dem flüssigen und einfachen Schreibstil liegt. Ich habe es auf Englisch gelesen und empfand Higgins Art zu schreiben als sehr angenehm. Ich hoffe, die deutsche Übersetzung wird ihrem unbeschwerten, frischen Stil gerecht.

Es fällt mir schwer etwas zu finden, was mir an der Geschichte nicht gefallen hat. Das einzig Negative zu dem ich mich zu schreiben durchringen kann, ist die Absehbarkeit und Eintönigkeit der Handlung. Wie schon gesagt, es geht nur um Maggie, ihr Leben in diesem kleinen Kaff und ihre Suche nach der großen Liebe. Das Happy End der Geschichte ist abzusehen ... Und sogar das fand ich toll! Hach, ich kann enfach nichts Schlechtes finden. Mir hat es gefallen. Durch und durch. Liebesromane liest man ja auch nicht wegen ihrem philosophischen Gehalt.

Alle Daumen hoch, volle Spiralenvergabe und schnell noch ein Buch von Kristan Higgins kaufen.

ZITAT:
Mich in einen katholischen Priester zu verlieben, war nicht gerade meine klügste Idee. […] Ich weiß, dass die Sehnsucht nach einem Priester nicht gerade die Chancen steigert, dem Mann meines Lebens zu begegnen. […] Das Problem ist nur: Selbst wenn jemand so offensichtlich nicht der Richitge für dich ist, kann er trotzdem … nun ja, perfekt sein.

PS: Auf Englisch heißt das Buch "The Catch of the Day“ und egal, ob Sprachanfänger oder Fortgeschrittener, der einfache und angenehme Schreibtstil dürfte für jeden geeignet sein.


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[Rezension] Lars Simon - Elchscheiße

INHALT (VOM VERLAG):

„Was machst du denn hier?“, fragte Tanja.
„Ich habe gekündigt, Häschen.“
Es gab Riesenkrach. Ist ja auch nicht leicht für eine Frau, wenn sie ihrem Ur-Mann wiederbegegnet. Ich hingegen wirkte auf mich ruhig und selbstbewusst. Echte Männer sind so.

Freundin weg, Job weg, Therapeut weg - doch Torsten Brettschneider (35) lässt sich nicht unterkriegen. Er kauft sich einen gebrauchten VW-Bus, tauft ihn Lasse und fährt mit ihm gen Schweden, wo er einen Bauernhof geerbt hat. Die Postkartenidylle lässt jedoch auf sich warten … Älgskit! Was für eine Elchscheiße! Ob Torsten aus der Schwedennummer je wieder rauskommt?

REZENSION:

Lars Simons Buch „Elchscheiße“ war ein typischer Affektkauf. Die Bahn kam nicht, ein kurzer Abstecher in die Bahnhofsbuchhandlung und plötzlich stand ich an der Kasse: „Das macht dann neun Euro fünfundneunzig“.

Bereut habe ich es keine Seite lang. Die Geschichte hat mir viele lustige Lesestunden beschert. Und den ein oder anderen schrägen Blick in der Bahn (Berufstätige lachen nicht auf dem Weg zur Arbeit – auch nicht auf dem Weg nach Hause. Überhaupt lachen Berufstätige auffallend wenig).

Die Geschichte beginnt recht unspektakulär, nimmt aber schnell Fahrt auf und spätestens ab dem Moment, an dem der deutsche Schützenpanzerwagen (kein Witz, in der Geschichte kommt tatsächlich ein Panzer vor!) zum Einsatz kommt, eskaliert die Situation dann völlig. Ab da leidet, meiner Meinung nach, leider auch ein wenig der humorvolle Ton der Geschichte. Zu Lars Simons Verteidigung muss ich aber auch dazu sagen, dass ich nicht zu den Kawumm!-Liebhabern gehöre. Der Höhepunkt einer Handlung muss für mich nicht immer gezwungenermaßen ein Actionfeuerwerk sein. Genau das ist aber in „Elchscheiße“ der Fall. Am Ende macht es wirklich Kawumm, was maßgeblich dem Panzer zu verdanken ist. Für meinen Geschmack hat der Autor es am Ende ein wenig zu gut gemeint – was aber der guten Laune keinen Abbruch tut. Die Lachmuskeln kommen bis zum Schluss auf ihre Kosten.

Protagonist ist der Deutsche Tomas Brettschneider. Die Geschichte wird mit einer kräftigen Brise Zynismus und Humor aus seiner Perspektive erzählt und ist durch den einfachen Schreibstil schnell gelesen.

Obwohl Lars Simon seinen Figuren alle erdenklichen Klischeestempel aufdrückt, hat mich seine lustige Erzählweise von Anfang an überzeugt und ich habe alle Beteiligten in mein Herz geschlossen: Die nörgelnden und zugedröhnten Deutschen, die eigenwilligen Schweden – ja sogar den stets bewaffneten und paranoiden norwegischen Veteran.

Zusammengefasst ist das Buch etwas für Menschen, die Schweden lieben (so wie ich), gerne lachen (so wie ich) und sich nicht fürchten, in einem ruhigen Bahnabteil vergnügt zu kichern (so wie ich).

„Elchscheiße“ bekommt somit verdiente fünf Spiralen!

ZITAT:

Es muhte heiser, ich sah zur Seite und erschrak. Eine uralte, einäugige Kuh glotzte mich aggressiv über einen Weidezaun hinweg an. […]
Eine Wolke schob sich vor die Sonne.
Es wurde schlagartig kalt.
Es muhte wieder. Nur die Kuh. Ein Auge. Böse.
Es war nicht schön hier. Mein Magen fühlte sich flau an.
Wie hatten es meine Eltern in diesem Drecksnest nur ausgehalten? Und Tante Lillemor? Sollte sich herausstellen, dass sie keines natürlichen Todes gestorben war, es hätte mich nicht verwundert.
Umkehren konnte ich nicht mehr, und ich hatte es doch nicht anders gewollt.
Ich fuhr langsam weiter.


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[Rezension] Arthur C. Doyles - Der Hund der Baskervilles

INHALT:
 
In Dartmoor treibt ein gigantischer Geisterhund sein Unwesen. Ein Höllenhund, munkeln die Einheimischen, gekommen um alle Nachkommen der Baskervilles zur Strecke zur bringen.

Arthur Conan Doyles` „Der Hund der Baskervilles“ – das dritte Werk, das er dem eigentümlichen Detektiv Sherlock Holmes gewidmet hat – beginnt mit dem Tod des alten Sir Charles Baskerville, der leblos in der Allee seines Landsitzes gefunden wird, umgeben von den Fußspuren eines monströsen Hundes.

Sir Henry Baskerville, der letzte auffindbare Erbe aus Kanada, tritt allen Warnungen zum Trotz sein Erbe an und zieht nach Baskerville Hall, dem Familienanwesen auf dem Moor.

Dr. Mortimer, Nachbar und Freund des Verstorbenen Sir Charles, fürchtet um die Sicherheit des jungen Baskerville und wendet sich hilfesuchend an Sherlock Holmes.

Sichtlich angetan von dem mysteriösen Fall, durch andere Aufträge jedoch in London gebunden, schickt Holmes kurzerhand seinen Freund Dr. John Watson nach Baskerville Hall, um Sir Henry zu beschützen und dem Fluch auf den Grund zu gehen.

Es dauert nicht lange und Watson stößt auf so manch gefährliches Geheimnis, das wohl lieber in den Nebeln der Moore verborgen geblieben wäre.
 
REZENSION:
 
Die Geschichte ist spannend und clever erzählt.

Jede Seite hat mich tiefer in ihren Bann gezogen. Ich war hin und her gerissen – gibt es diesen Geisterhund wirklich? Oder ist es der Geniestreich eines besonders listigen Schurken?

Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem Sir Henry Baskerville und Dr. Watson auf dem Anwesen Baskerville Hall eintreffen, habe ich das Buch nicht mehr aus den Händen gelegt.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte aus Watsons Sicht geschrieben ist und Holmes dadurch immer etwas unnahbar bleibt, da man nie genau weiß, was gerade in seinem schlauen Kopf vor sich geht.

Nachdem ich die letzte Seite gelesen und das Buch zugeschlagen hatte, wurden mir schlagartig zwei Dinge klar: 1. Das war sicher nicht das letzte Abenteuer, das ich mit dem berühmten Privatdetektiv erlebt habe und 2. ist der Hype um die Kunstfigur Sherlock Holmes mehr als berechtigt! Es gehört unendlich viel Können und Feingefühl dazu, jemanden wie Holmes und Dr. Watson zum Leben zu erwecken. Ich verbeuge mich tief vor so viel schriftstellerischer Fähigkeit und Menschenkenntnis.

Mit der Figur Sherlock Holmes hat Arthur Conan Doyle einen unglaublich faszinierenden Charakter auf Papier gebracht. Eigensinnig, exzentrisch und trotz allem sehr sympathisch entgeht dem scharfen Verstand des Detektivs nichts – außer der ein oder anderen zwischenmenschlichen Gepflogenheit.

Dr. John Watson, Sherlocks treuer Begleiter, ist mit seiner pragmatischen Art der perfekte Gegenpol zu Holmes rationalen, teilweise überheblich wirkenden Natur.

Obwohl die Handlung sehr gut konstruiert ist und der Leser bis zum letzten Drittel im Dunkeln tappt, hat die Geschichte, meiner Meinung nach, leider zwei kleine Schwächen: Die Landschaftsbeschreibungen fand ich stellenweise leblos und platt, so dass die visuelle Reise in die Moore von England für mich leider ausblieb. Obwohl Doyle zum Schreiben der Geschichte anscheinend extra nach Dartmoor gereist war …

Zweiter Kritikpunkt ist die Auflösung des Falls. Während sich die Handlung immer weiter zugespitzt hat, habe ich jeden Moment mit dem Paukenschlag gerechnet, der eine überraschende Wendung einläuten würde – ich wartete vergeblich. Das absehbare Ende der Geschichte hat mich ein wenig enttäuscht.
 
Nichtsdestotrotz gehört dieses Buch definitiv in die Kategorie „Sollte man unbedingt gelesen haben“. Spannend geschrieben, tolle Dialoge und wunderbare Protagonisten.

„Der Hund der Baskerville“ bekommt 5 von 5 möglichen Spiralen.
 
Kleine Anmerkung zum Schluss: Jetzt, da ich den „echten“ Sherlock Holmes kennen gelernt habe, bin ich von der BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman in den Hauptrollen umso begeisterter. Müsste das ungleiche Duo in unserer Zeit ermitteln, würde ich mir die beiden genau so vorstellen. Und damit meine ich wirklich genau so.
 
ZITAT:
 
„Er (Sherlock Holmes) […] brach in einen seiner seltenen Lachkrämpfe aus. Ich habe ihn kaum je lachen gehört, und stets ließ es nichts Gutes für jemanden ahnen.“


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