[Tina privat] Wie alles begann



Wenn man sich so durch die Seiten anderer Autoren klickt – alles studierte, hochintelligente, um die Welt reisende, abenteuerlustige, freundlich in die Kamera blickende Menschen – kann das Ego schon einmal kurz ins Stolpern kommen. Ich traue es mich kaum zu schreiben, aber ich denke, ihr solltet wissen, mit wem ihr es hier zu tun habt … Und ich gestehe alles: Ich habe nie studiert, noch nie ein Kreuzworträtsel ohne mogeln gelöst, Europa noch nie verlassen, gehe in der Regel nur bei Grün über die Straße und es gibt Bilder von mir, da gucke ich so griesgrämig, das ich selbst Angst bekomme.

Jetzt ist es heraus. Ich bin fürchterlich langweilig. Ich hoffe, ihr verzeiht mir mein durchschnittliches Leben, aus dem ich nun allen, die sich noch nicht enttäuscht abgewendet haben, gerne etwas mehr erzählen möchte.

Ich bin 1989 in Heidelberg geboren, meine Muttersprache ist kurpfälzisch, als Kind habe ich Schnecken gesammelt und mir so oft die Knie aufgeschlagen, dass es ein Wunder ist, dass noch alle Kniescheiben an ihrem Platz sind.

2000 (oder war es 2001?) hat es meine Mama und mich nach Esslingen am Neckar verschlagen und ich fand mich plötzlich mitten im Schwabenländle wieder. Ehrfürchtig lernte ich ihre Gebräuche („Woisch, des mit der Kehrwoch` isch so ...“) und voller Eifer ihre Sprache („Du Säggl, hasch die Kehrwoch` immer noch net gemacht?! Des gibt Ärger mit der Frau Eisele …“). Meinen Wortschatz und meine Kondition perfektionierte ich schließlich auf einem schwäbischen Gymnasium, das auf einem der vielen Hügel lag, die ich tagein, tagaus in meiner neuen Wahlheimat bezwingen musste.

2008 machte ich mein Abitur und rückblickend war es eine wunderschöne Zeit. Danke an all die wunderbaren Menschen, die mir damals begegnet und mich auf diesem manchmal recht hügeligen Weg begleitet haben (das meine ich nicht nur metaphorisch, dort ist es wirklich verdammt hügelig!).

Kurz vor den Abiprüfungen hörte ich dann den alles entscheidenden Satz, der alles, was ihr hier seht, ins Rollen brachte. Eines Abends, ich war gerade auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier, traf ich zufällig einen Klassenkameraden und wir beschlossen spontan noch eine Kleinigkeit trinken zu gehen. Irgendwann, im Laufe des Gesprächs, meinte er plötzlich: „Tina, eines Tages werde ich ein Buch in den Händen halten und dein Name wird darauf stehen.“ Ich lachte und winkte amüsiert ab, doch, oh, was hatte er da nur angerichtet? Er hatte einen Gedanken in meinen Kopf gepflanzt, der mich von nun an nicht mehr losließ. Damals fehlte mir allerdings der Mut für so ein großes Projekt und es sollte noch einige Jahre dauern, bis ich ihn finden würde.

Nach der Schule begann ich eine Ausbildung zur Medienkauffrau in einem Verlag in Stuttgart. Einige werden jetzt wahrscheinlich denken: Ha, ein Verlag! Das war eindeutig der Initiator mit dem Schreiben zu beginnen. Falsch. In erster Linie war es dieser eine Satz meines damaligen Klassenkameraden, der noch immer durch meinen Kopf spukte und die Begegnung eines ganz besonderen Menschen. Nach der Ausbildung lernte ich meinen mich bis heute auf allen Wegen treu begleitenden Partner und Seelenfreund kennen. Er ist Musiker und mit ihm trat das erste Mal ein Künstlerherz in mein Leben. Er zeigte mir eine Perspektive, von der ich die Welt noch nie gesehen hatte. Seine Liebe, seine Leidenschaft für Musik und Kunst machte mich sprachlos und ermutigte mich nach Dingen zu streben, die vielleicht nicht meine Rente aufstockten, meine Kontoauszüge schönte oder meine Haftpflichtversicherung senkte, mich aber dennoch auf eine Art bereicherten wie es kein Geld der Welt vermochte.
Ich holte tief Luft, fuhr meinen Laptop hoch und begann zu schreiben. Nachdem ich meine erste fürchterlich schlecht geschriebene Passage ausgedruckt hatte, zeigte ich es meinem Freund und – er ist so ein guter Mensch … – er lächelte und sagte, ich sollte weitermachen, ich hätte Potential.
Ich befolgte seinen Rat und schrieb weiter. Und weiter. Und weiter. Und je mehr ich schrieb, desto besser klappte es, desto mehr Spaß machte es und desto vollständiger fühlte ich mich. Es war, als hätte ich endlich das letzte Puzzlestück meines Seele gefunden.
Heute bin ich abhängig. Wenn ich länger als zwei Tage nicht schreibe, fangen meine Hände an zu zittern und ich werde zum launischen, depressiven Nervenbündel.

Mittlerweile wohne ich in Bietigheim-Bissingen, arbeite noch immer in einem Verlag und wenn ich nicht gerade fieberhaft auf meine Laptoptastatur hämmere, bin ich gerne draußen. Ich liebe es zu laufen. Ob stundenlange Wanderungen über Stock und Stein oder der gemütliche Feierabendspaziergang nach Hause, ganz egal. Laufen ist meine Art zu meditieren.
Ich treffe gerne Menschen, je merkwürdiger desto besser, und stelle mir vor, wie ich ihre Eigenheiten in meine nächste Geschichte einbauen kann. Ich gucke gerne Filme und überlege, wie ich die spannenden Stellen umschreiben und in meine nächste Geschichte einbauen kann. Ich unternehme gerne etwas mit Freunden und präge mir alles gewissenhaft ein, damit ich das, was wir erlebt haben, in meine nächste Geschichte einbauen kann. Ihr seht, es geht nicht immer nur ums Schreiben, ich habe auch noch andere Sachen im Kopf.

Ich bin neugierig, muss alles ganz genau wissen und egal, was ich tue, ich tue es mit ganzem Herzen. Mein Opa hat einmal, als ich noch ganz klein war, zu mir gesagt: „Tinchen, merke dir eins, egal, was du tust, mache es ganz oder lass es sein.“ Und ich habe es mir gemerkt – wie ich mir das gemerkt habe!

Natürlich liebe ich es auch zu lesen! Das erste Buch, das einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, war „Momo“ von Michael Ende. Bis heute erinnere ich mich an die Stelle, in der der alte Straßenkehrer Beppo erklärt, dass er besonders lange Straßen immer so kehrt, dass er sich nur auf das Stück vor seinen Füßen konzentriert und ehe er es sich versieht, hat er den ganzen Weg geschafft und die Straße ist sauber.
Ist das nicht toll? Ich habe das Buch vor 10 Jahre gelesen und ein Teil davon ist bei mir geblieben. Das wünsche ich mir eines Tages für mich selbst, für meine Geschichten, dass irgendjemand, und sei es nur ein einziger Mensch, meine Bücher liest und sie für immer bei ihm bleiben. Dass sie ein Teil von jemand anderem werden.

Verzeiht mir meine Schwabenwitze. Das ist nicht böse gemeint, alles nur Späßle. Im Laufe der Jahre habe ich die Bruddler des Südens ungemein ins Herz geschlossen – und sie haben auch ganz Recht, wo kämen wir nur ohne die Kehrwoche hin? Kein Mensch würde durch den ganzen Staub und Dreck seine Haustüre mehr erreichen.

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#Augen aus Gold
#Tina privat

[Rezension] Arthur C. Doyles - Der Hund der Baskervilles

INHALT:
 
In Dartmoor treibt ein gigantischer Geisterhund sein Unwesen. Ein Höllenhund, munkeln die Einheimischen, gekommen um alle Nachkommen der Baskervilles zur Strecke zur bringen.

Arthur Conan Doyles` „Der Hund der Baskervilles“ – das dritte Werk, das er dem eigentümlichen Detektiv Sherlock Holmes gewidmet hat – beginnt mit dem Tod des alten Sir Charles Baskerville, der leblos in der Allee seines Landsitzes gefunden wird, umgeben von den Fußspuren eines monströsen Hundes.

Sir Henry Baskerville, der letzte auffindbare Erbe aus Kanada, tritt allen Warnungen zum Trotz sein Erbe an und zieht nach Baskerville Hall, dem Familienanwesen auf dem Moor.

Dr. Mortimer, Nachbar und Freund des Verstorbenen Sir Charles, fürchtet um die Sicherheit des jungen Baskerville und wendet sich hilfesuchend an Sherlock Holmes.

Sichtlich angetan von dem mysteriösen Fall, durch andere Aufträge jedoch in London gebunden, schickt Holmes kurzerhand seinen Freund Dr. John Watson nach Baskerville Hall, um Sir Henry zu beschützen und dem Fluch auf den Grund zu gehen.

Es dauert nicht lange und Watson stößt auf so manch gefährliches Geheimnis, das wohl lieber in den Nebeln der Moore verborgen geblieben wäre.
 
REZENSION:
 
Die Geschichte ist spannend und clever erzählt.

Jede Seite hat mich tiefer in ihren Bann gezogen. Ich war hin und her gerissen – gibt es diesen Geisterhund wirklich? Oder ist es der Geniestreich eines besonders listigen Schurken?

Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem Sir Henry Baskerville und Dr. Watson auf dem Anwesen Baskerville Hall eintreffen, habe ich das Buch nicht mehr aus den Händen gelegt.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte aus Watsons Sicht geschrieben ist und Holmes dadurch immer etwas unnahbar bleibt, da man nie genau weiß, was gerade in seinem schlauen Kopf vor sich geht.

Nachdem ich die letzte Seite gelesen und das Buch zugeschlagen hatte, wurden mir schlagartig zwei Dinge klar: 1. Das war sicher nicht das letzte Abenteuer, das ich mit dem berühmten Privatdetektiv erlebt habe und 2. ist der Hype um die Kunstfigur Sherlock Holmes mehr als berechtigt! Es gehört unendlich viel Können und Feingefühl dazu, jemanden wie Holmes und Dr. Watson zum Leben zu erwecken. Ich verbeuge mich tief vor so viel schriftstellerischer Fähigkeit und Menschenkenntnis.

Mit der Figur Sherlock Holmes hat Arthur Conan Doyle einen unglaublich faszinierenden Charakter auf Papier gebracht. Eigensinnig, exzentrisch und trotz allem sehr sympathisch entgeht dem scharfen Verstand des Detektivs nichts – außer der ein oder anderen zwischenmenschlichen Gepflogenheit.

Dr. John Watson, Sherlocks treuer Begleiter, ist mit seiner pragmatischen Art der perfekte Gegenpol zu Holmes rationalen, teilweise überheblich wirkenden Natur.

Obwohl die Handlung sehr gut konstruiert ist und der Leser bis zum letzten Drittel im Dunkeln tappt, hat die Geschichte, meiner Meinung nach, leider zwei kleine Schwächen: Die Landschaftsbeschreibungen fand ich stellenweise leblos und platt, so dass die visuelle Reise in die Moore von England für mich leider ausblieb. Obwohl Doyle zum Schreiben der Geschichte anscheinend extra nach Dartmoor gereist war …

Zweiter Kritikpunkt ist die Auflösung des Falls. Während sich die Handlung immer weiter zugespitzt hat, habe ich jeden Moment mit dem Paukenschlag gerechnet, der eine überraschende Wendung einläuten würde – ich wartete vergeblich. Das absehbare Ende der Geschichte hat mich ein wenig enttäuscht.
 
Nichtsdestotrotz gehört dieses Buch definitiv in die Kategorie „Sollte man unbedingt gelesen haben“. Spannend geschrieben, tolle Dialoge und wunderbare Protagonisten.

„Der Hund der Baskerville“ bekommt 5 von 5 möglichen Spiralen.
 
Kleine Anmerkung zum Schluss: Jetzt, da ich den „echten“ Sherlock Holmes kennen gelernt habe, bin ich von der BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman in den Hauptrollen umso begeisterter. Müsste das ungleiche Duo in unserer Zeit ermitteln, würde ich mir die beiden genau so vorstellen. Und damit meine ich wirklich genau so.
 
ZITAT:
 
„Er (Sherlock Holmes) […] brach in einen seiner seltenen Lachkrämpfe aus. Ich habe ihn kaum je lachen gehört, und stets ließ es nichts Gutes für jemanden ahnen.“


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